Twin 4-stroke Engine SAIC4-22
"Gary"

Gary ist ein 2-Zylinder, 4-Takt Verbrennungsmotor mit geschlossenem Kurbelgehäuse und Schleuderschmierung, Drosselvergaser, konventionellem Zündverteiler und Wasserkühlung.
Der Motor ist inspiriert durch vergleichbare Layouts wie z.B. Bob Shores bekanntem Hercules, jedoch eine komplette Eigenentwicklung, kommt ohne Gussteile aus und ist - bis auf eine überschaubare Zahl von Kaufteilen (Schrauben, Komponenten der Zündung und Zahnräder) "from bar stock" gefertigt.
Technische Daten:
- Zylinder Durchmesser 18mm
- Hub 18mm
- Hubraum 9,16 ccm
- Verdichtung: ca. 1:6,1
- Masse inkl. Unterbau: ca. 2,8 kg
- CDI Zündung
- max. Drehzahl: ca. ?000 U/min (muss ich noch mal messen...)
Über 150 Einzelteile sind zu fertigen (ohne Sockel /CDI)...
Beschreibung & Hinweise zum Bau
Der Motor ist mit zwei Zylindern in Reihe und hängenden Ventilen ausgebildet, die Ventilbetätigung erfolgt konventionell über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel.
Der Motor ist wassergekühlt mit separatem Kühler und einem über die Kurbelwelle angetriebenem Lüfterrad, das Kühlmedium wird über eine Zahnradpumpe, ebenfalls durch die Kurbelwelle betätigt, transportiert.Die Laufgarnitur verwendet als Materialpaarung einen Aluminiumkolben mit zwei Kolbenringen aus Grauguss (GGG60) in einem Zylinder aus Stahl.
Der Start ist sowohl mittels Kurbel als auch (kräfteschonend) mit einem Akkuschrauber und eingespannter 6mm Welle möglich. ein entsprechender Freilauf ist kurbelwellenseitig vorgesehen.
Als Treibstoff ist 2-Takt Gemisch vorgesehen. Aufgrund der sehr sauberen und fast geruchlosen Verbrennung kann ich Alcylatbenzin der Fa. Aspen (Aspen-2) empfehlen.
Unabhängig davon wird das Kurbelgehäuse (Nocken, Pleuel) mit öl im Kurbelgehäuse geschmiert (Schleuderschmierung), so dass grundsätzlich auch Treibstoff ohne Ölzusatz möglich ist.
Das geschlossene Kurbelgehäuse wird über ein Druckausgleichsventil während des Betriebes mit einem geringen Unterdruck beaufschlagt. Das sorgt zuverlässig dafür, dass kein Öl durch z.B. Lager oder die Berührungsflächen der Gehäusehälften entweicht. Im Prototypen ist daher keine Dichtung zwischen unterer und oberer Kurbelgehäuse-Hälfte vorgesehen.
Als Zündung kommt eine kleine CDI Zündung zum Einsatz, die für diesen Motor entwickelt wurde. Der Schaltplan ist Bestandteil des Zeichnungssatzes, das Platinenlayout und der Bestückungsplan sind als separate Dateien unten zu finden.
Die Zündverteilung erfolgt über einen klassischen (mechanischen) Zündverteiler, der an die Nockenwelle gekoppelt ist. Diese Zündung zeichnet sich durch relativ kleine Baugröße und eine Versorgungsspannung von nur 4,5V aus, die von drei Mignonzellen geliefert werden kann - diese halten einige Stunden Betriebszeit durch. Im Gegensatz zu den bei meinen bisherigen Motoren eingesetzten Sperrrwandlern kommt hier ein etwas leistungsfähigeres Konzept basierend auf einem Gegentakt Sinuswandler zum Einsatz, so dass ein Betrieb mit nur einer Batteriezelle leider nicht mehr möglich ist.
Als Zündspule wurde hier eine für Mopeds vertriebene gut erhältliche Zündspule mit vergleichsweise kleiner Baugröße verwendet.
Vielleicht noch zu erwähnen ist, dass der vorgeschlagene Unterbrecherkontakt nur für kleine Ströme gedacht ist - eine herkömmliche Unterbrecherzündung sollte daher nicht verwendet werden, die dabei auftretenden hohen Ströme würden den Kontakt vermutlich schnell zerstören. Geeignet dagegen wäre aber eine Transistorzündung mit herkömmlicher Spule.
Der Zündzeitpunkt wird ca. 10-20° vor OT eingestellt und lässt sich durch Verdrehen der Unterbrecherkontakt-Einheit problemlos verstellen.
Zum Bau von Gary ist eine Drehbank und Fräse unbedingt erforderlich, auch der Rest der Werkstatt sollte halbwegs gut ausgestattet sein. Da die Toleranzen bei einem Motor dieser Dimension eine recht entscheidende Rolle spielen, sollte mindestens im Bereich der Zylinder/Kolbenpaarung sorgfältig gearbeitet werden - aus diesem Grund ist der Motor vielleicht nicht unbedingt als Erstlingswerk zu empfehlen.
Bilder und ein paar Kommentare aus der Bauphase:













Als Zündkerzen kommen hier Fertigteile mit Glühkerzen-Gewinde (UNEF 1/4 x 32) zum Einsatz. Der Zylinderkopf wird an dieser Stelle weiter aufgefräst, um die Kerzen mit einer Nuss SW8 einschrauben zu können.



Die Lagersitze sind für eine Presspassung der vorgesehenen Kugellager auszulegen und mindestens im Bereich der Wellendichtringe zu polieren.
Bei der Anfertigung des Kegels mit dem Oberschlitten der Drehbank ist zu beachten, dass der Kegel den identischen Winkel wie das später aufzunehmende Schwungrad erhält. Daher ist es sinnvoll, Kurbelwelle und Schwungrad aufeinander folgend anzufertigen, um die gleiche Einstellung des Oberschlittens sicherzustellen.
Die Kurbelwangen werden erst im Anschluss mit der Fräse in Form gebracht.



In die so verbundenen Gehäusehälften werden die erforderlichen Bohrungen für die Kurbelwelle sowie die Bohrungen und Gewinde für die Verschraubung der Hälften eingebracht.
Die übrigen Bohrungen (Zylinder, Nockenwelle, Stößel) können nach sorgfältigem Layout auch ohne verbundene Hälften eingebracht werden.



Die Stößel aus Silberstahl bewegen sich in Führungen aus Bronze. Beides sind einfache Drehteile, die Bohrungen in den Bronzehülsen sind jedoch am leichtesten mit einer Reibahle maßhaltig anzufertigen und die Stößel entsprechend feinzudrehen.




























Der Vergaser ist ein Drosselvergaser mit Drehschieber und Nebenlufteinrichtung. Leerlauf-Anschlag, Nebenluft und natürlich Kraftstoffmenge lassen sich über Schrauben bzw. ein Nadelventil einstellen.
Der Tank besteht aus Messing mit einem Sichtfenster aus Glas, das mit Eoxydharz-Kleber eingeklebt ist. Die Messing Teile sind weich verlötet.
Weitere Bilder zeigen den Gehäuseboden mit eingearbeitetem Batteriekasten (3 x AAA/Mignon) sowie die CDI-Zündung.
Der Maschinensockel besteht aus einer verleimten Sperrholzkonstruktion, die hier mit Buchenfurnier belegt wurde. Für den Prototypen wurde dieses Gehäuse schwarz gebeizt und anschließend klar lackiert.
Bilder vom fertigen Motor








Downloads:
Zeichnungssatz als pdfNockenwellen-Fräsdaten als xls Datei
CDI Bestückungsplan
CDI Platinenlayout
Für die Funktion des Motors und Eignung für die eigenen Ansprüche kann ich trotz sorgfältiger Prüfung keine Gewährleistung übernehmen. Nachbau und Nutzung also auf eigenes Risiko!